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Tibet

Der folgende Text stammt von der ICT - International Campaign for Tibet

ICT

Tibets einzigartige Kultur beeindruckt durch ihr gelebtes Mitgefühl und ihre tiefe religiöse Verwurzelung. Doch die Kultur Tibets, eine der ältesten der Welt, ist aufgrund der repressiven Politik der VR China zutiefst gefährdet.

Historischer Überblick

Tibet ist ein uraltes Land, dessen schriftlich belegte Geschichte bis ins Jahr 126 v. Chr. zurückreicht. Im 8. Jahrhundert wurde der Buddhismus zur Staatsreligion erhoben. Die tibetische Kultur begann, sich an den spirituellen Zielen eines gütigen, mitfühlenden Herzens und eines ruhigen, klaren Geistes auszurichten. Wissenschaftler sind sich einig, dass Tibet spätestens 1911 nach modernen Kriterien zu einem vollkommen unabhängigen Staat geworden ist. Tibet umfasste zu dieser Zeit ein Gebiet etwa in der Größe Westeuropas.

1949 marschierte die chinesische Armee mit 100.000 Mann in Kham, der östlichen Provinz Tibets, ein. Internationale Reaktionen auf dieses Vorgehen und die darauf folgende Besetzung der Hauptstadt Lhasa war allgemeine Missbilligung - die Welt war sich einig, dass China unrechtmäßig gehandelt hatte. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedete mehrere Resolutionen, die das chinesische Vorgehen verurteilten und Selbstbestimmungsrecht für die Tibeter forderten. Doch China ignorierte diese Aufrufe und dehnte seine militärische Kontrolle vollständig über alle drei tibetischen Provinzen aus: Kham, Amdo und Ü-Tsang.

Tibet war, wie viele andere Staaten und Gesellschaften in Asien zu dieser Zeit, ein äußerst armes und von ungerechten Verhältnissen geprägtes Land. Doch schon früh zeigte sich der junge 14. Dalai Lama aufgeschlossen gegenüber Reformen in seinem Land. Und schon der 13. Dalai Lama hatte zum Beispiel 1913 eine Amnestie für alle "Leibeigenen" ausgesprochen, die ihren Abhängigkeitsverhältnissen zu entkommen versuchten. Der 14. Dalai Lama setzte seinen Reformwillen insbesondere im Exil mit der Einführung demokratischer Strukturen fort. Lesen Sie insbesondere zur Frage der "Leibeigenschaft" in Tibet ein Kurzpapier der International Campaign for Tibet.

Im Frühjahr 1959 kam es in Lhasa, der Hauptstadt Tibets, zu einem Volksaufstand der Tibeter gegen die Chinesen, der jedoch vom Militär rücksichtslos niedergeschlagen wurde. Der Dalai Lama, das weltliche und geistliche Oberhaupt Tibets, und 80.000 Tibeter flohen über den Himalaja nach Indien, wo sie nun schon seit über 40 Jahren leben. Infolge der Aufstände in Lhasa wurde die chinesische Unterdrückung der Tibeter und ihrer Kultur noch brutaler und unmenschlicher. Während Maos Kulturrevolution (1966-1976) wurde der Buddhismus zum Hauptangriffspunkt der kommunistischen "Reformen" und Tibet zu einem Land des Leids: Hunderttausende wurden verhaftet und in Gefängnisse und Arbeitslager verschleppt. Hundertausende von Tibetern, rund ein Fünftel der Gesamtbevölkerung, sind infolge der chinesischen Herrschaft an Folter und Hungersnot, durch Hinrichtung oder auf andere Weise zu Tode gekommen.

Ausübung der Religion

Die Chinesen verboten praktisch jegliches Studium des Buddhismus und jegliche religiöse Praxis. 1969 gab es in Tibet keine einzige praktizierende Nonne und keinen einzigen praktizierenden Mönch mehr - alle waren sie entweder geflohen, hingerichtet, verhaftet oder zumindest ihrer Ämter enthoben worden. Vor der Invasion überzog ein Netz von mehr als 6.000 Klöstern das Land, 1979 waren alle bis auf 13 geplündert und zerstört worden. Tausende Tonnen religiöser Statuen und anderer Kunstwerke aus edlen Metallen waren gestohlen und in Chinas Gießereien eingeschmolzen oder ins Ausland verkauft worden.

Studium und Praxis des Buddhismus sind inzwischen wieder gestattet, jedoch unter strengen Auflagen der chinesischen Regierung. Es wurde den Tibetern erlaubt, einige Klöster wiederaufzubauen, aber die chinesischen Behörden begrenzen die Anzahl der jeweils zugelassenen Mönche und Nonnen. Zusätzlich sind Vertreter der Kommunistischen Partei Chinas entweder dauerhaft im Kloster positioniert oder statten häufige Überwachungsbesuche ab, um die Bewohner "umzuerziehen". Die "Umerziehungsversammlungen" sind darauf ausgerichtet, Mönche und Nonnen zu zwingen, den Dalai Lama zu diskreditieren, die chinesische Staatsideologie zu preisen und der tibetischen Freiheitsbewegung abzuschwören.

Gefängnisse und Arbeitslager

Gefängnisse und Arbeitslager sind zu einem beherrschenden Aspekt im Leben der Tibeter unter chinesischer Besatzung geworden. Jede Kritik und jeder Widerstand gegenüber der chinesischen Besatzungsmacht ist ein Grund zur Verhaftung. Es gibt heute nicht einen einzigen Tibeter, in dessen Familie nicht zumindest ein Mitglied gefangen genommen oder getötet wurde. Die genaue Anzahl der politischen Gefangenen, die vor 1979 verhaftet wurden, ist unbekannt, aber Schätzungen zufolge starben mehr als 70 Prozent während ihrer Gefangenschaft. Einige Häftlinge wurden gezwungen, in chinesischen Bergwerken und Fabriken unter menschenunwürdigen Bedingungen zu arbeiten - von 10.000 Gefangenen eines Arbeitslagers für Boraxminen in den nördlichen Hochebenen von Jang Tsalaka starben Berichten zufolge 8.000 Tibeter innerhalb eines einzigen Jahres. In einer Bleimine in Dhartsedo (chin. Kangting), Kham, starben mehr als 12.000 Arbeiter in nur zwei Jahren. Auch heute noch wird jede politische Aktivität und jeder friedliche Einsatz für Menschenrechte als Schwerverbrechen angesehen und mit Haftstrafen zwischen einem Jahr und lebenslänglich geahndet. Auch jede Sympathiebezeugung gegenüber dem Dalai Lama, selbst der Besitz seines Portraits oder der verbotenen tibetischen Nationalflagge sind Grund für Gefangennahme und hohe Haftstrafen.

Tibetische Gebiete

Historisch besteht Tibet aus den drei Provinzen Ü-Tsang, Kham und Amdo, die ein Gebiet von 2,5 Millionen Quadratkilometern umfassen. China gliederte jedoch ganz Amdo und große Teile von Kham in die angrenzenden chinesischen Provinzen ein. Das verbleibende Gebiet, das nur noch aus Ü-Tsang und einigen Regionen Khams besteht, erhielt die Bezeichnung "Autonome Region Tibet". Obwohl es nur die Hälfte der ursprünglichen Landmasse Tibets darstellt, beziehen sich die Chinesen lediglich auf dieses Gebiet, wenn sie von Tibet sprechen.

Demokratie im Exil

1959, im Anschluss an seine Flucht nach Indien, begann der Dalai Lama nach modernen demokratischen Prinzipien die Regierung Tibets im Exil aufzubauen. 1991 verabschiedete der US-Kongress eine Resolution, die Tibet als ein "besetztes Land" anerkennt, dessen "wahre Vertreter der Dalai Lama und die tibetische Exilregierung sind". Die Exilregierung kümmert sich um das Wohlergehen der tibetischen Flüchtlinge, wobei der Schwerpunkt auf die Ausbildung und die Bewahrung der Tradition gelegt wird. Sie steht auch an der Spitze des friedlichen Kampfes des tibetischen Volkes um wahre Selbstbestimmung und die Rückgewinnung seines rechtmäßigen Heimatlandes.

History, Politics, Legal Situation

Tibet - History Since the Chinese Invasion

Despite 40 years of Chinese occupation, the Tibetan people’s determination to preserve their heritage and regain their freedom is as strong as ever. The situation has led to confrontation inside Tibet and to large scale Chinese propaganda efforts internationally.

1949-51 The Chinese Invasion

China’s newly established communist government sent troops to invade Tibet in 1949-50. An agreement was imposed on the Tibetan government in May of 1951, acknowledging sovereignty over Tibet but recognizing the Tibetan government’s autonomy with respect to Tibet’s internal affairs. As the Chinese consolidated their control, they repeatedly violated the treaty and open resistance to their rule grew, leading to the National Uprising in 1959 and the flight into India of the Dalai Lama.

The international community reacted with shock at the events in Tibet. The question of Tibet was discussed on numerous occasions by the U.N. General Assembly between 1959 and 1965. Three resolutions were passed by the General Assembly condemning China’s violations of human rights in Tibet and calling upon China to respect those rights, including Tibet’s right to self-determination.

After 1959: Destruction

The destruction of Tibet’s culture and oppression of its people was brutal during the 20 years following the uprising. 1.2 million Tibetans, one-fifth of the country’s population, died as a result of China’s policies, according to an estimate by the Tibetan government in exile; many more languished in prisons and labor camps; and more than 6000 monasteries, temples and other cultural and historic buildings were destroyed and their contents pillaged. In 1980 Hu Yao Bang, General Secretary of the Communist Party, visited Tibet—the first senior official to do so since the invasion. Alarmed by the extent of the destruction he saw there, he called for a series of drastic reforms and for a policy of “recuperation.” His forced resignation in 1987 was said partially to result from his views on Tibet. In 1981, Alexander Solzhenytsin described the Chinese regime in Tibet as “more brutal and inhumane than any other communist regime in the world.” Relaxation of China’s policies in Tibet came very slowly after 1979 and remains severely limited.

Attempted Tibet-China Dialogue

Following the re-establishment of contacts with Beijing, two delegations were sent by the Dalai Lama to hold high-level exploratory talks with the Chinese government and party leaders in Beijing in 1982 and 1984. The talks were unsuccessful because the Chinese were, at that time, not prepared to discuss anything of substance except the return of the Dalai Lama from exile. The Dalai Lama has always insisted that his return is not the issue; instead, the question that needs to be addressed is the future of the six million Tibetans inside Tibet. It is the Dalai Lama’s opinion that his own return will depend entirely upon resolving the question of the status and rights of Tibet and its people.

Alarming Chinese Influx

In recent years the situation in Tibet has once again deteriorated, leading in 1987 to open demonstrations against Chinese rule in Lhasa and other parts of the country. One of the principle factors leading to this deterioration has been the large influx of Chinese into Tibet, particularly into its major towns. The exact number of Chinese is difficult to assess, because the vast majority have moved without obtaining official residence permits to do so. Thus, Chinese statistics are entirely misleading, counting as they do only the small numbers of registered immigrants. In Tibet’s cities and fertile valleys, particularly in eastern Tibet, Chinese outnumber Tibetans by two and sometimes three to one. In certain rural areas, particularly in western Tibet, there are very few Chinese. Regardless of the figures, the overall impact of the influx is devastating because the Chinese not only control the political and military power in Tibet, but also the economic life and even cultural and religious life of the people.

The Chinese military as well as the civilian build up in Tibet has been a source of great concern to India, as it impacts directly on India’s security. Tibet acted for centuries as a vital buffer between China and India. It is only when Chinese troops faced Indian troops on the Indo-Tibetan border that tensions, and even war, developed between the world’s most populous powers. The more Tibet is converted into a Chinese province, populated by Chinese, the stronger China’s strategic position along the Himalayas will be. China’s growing military reach has now become a source of concern to many Asian nations as well as to India.

The Legal Status of Tibet

Recent events in Tibet have intensified the dispute over its legal status. The People’s Republic of China (PRC) claims that Tibet is an integral part of China. The Tibetan government-in-exile maintains that Tibet is an independent state under unlawful occupation.

The question is highly relevant for at least two reasons. First, if Tibet is under unlawful Chinese occupation, Beijing’s large-scale transfer of Chinese settlers into Tibet is a serious violation of the fourth Geneva Convention of 1949, which prohibits the transfer of civilian population into occupied territory. Second, if Tibet is under unlawful Chinese occupation, China’s illegal presence in the country is a legitimate object of international concern. If, on the other hand, Tibet is an integral part of China, then these questions fall, a China claims, within its own domestic jurisdiction. The issue of human rights, including the right of self-determination and the right of the Tibetan people to maintain their own identity and autonomy are, of course, legitimate objects of international concern regardless of Tibet’s legal status.

The PRC makes no claim to sovereign rights over Tibet as a result of its military subjugation and occupation of Tibet following the country’s invasion in 1949-1950. Thus, China does not allege that it has acquired sovereignty by means of conquest, annexation or prescription in this period. Instead, it bases its claim to Tibet solely on their theory that Tibet has been an integral part of China for centuries.

The question of Tibet’s status is essentially a legal question, albeit one of immediate political relevance. The international status of a country must be determined by objective legal criteria rather than subjective political ones. Thus, whether a particular entity is a state in international law depends on whether it possesses the necessary criteria for statehood (territory, population, independent government, ability to conduct international relations), not whether governments of other states recognize its independent status. Recognition can provide evidence that foreign governments are willing to treat an entity as an independent state, but cannot create or extinguish a state.

In many cases, such as the present one, it is necessary to examine a country’s history in order to determine its status. Such a historical study should logically be based primarily on the country’s own historical sources, rather than on interpretations contained in official sources of a foreign state, especially one claiming rights over the country in question. This may seem self-evident to most. When studying the history of France we examine French rather than German or Russian source materials. I am making the point, however, precisely because China’s claim to sovereignty over Tibet is based almost exclusively on self-serving Chinese official histories. Chinese sources portrayed most countries with whom the emperor of China had relations, not only Tibet, as vassals of the emperor. When studying Tibet’s history, Tibetan sources should be given primary importance; foreign sources, including Chinese ones, should only be given secondary weight.

The Political System in Tibet Today

Tibet is strictly governed by the Chinese Communist Party, with the active support of the military. The Party rules through branch offices in each province, autonomous region and autonomous prefecture. Subordinate to the Party is the government, which carries out policies designed by the Party. China has established the full panoply of Party and government offices to administer Tibet as exists in China. In Lhasa alone, there are over 60 departments and committees almost all of which are directly connected to their national offices in Beijing. Thus, Tibet is “autonomous” in word only; in fact, the Tibet Autonomous Region has less autonomy than Chinese provinces. The top T.A.R. post, the Party Secretary, has never been held by a Tibetan.

China maintains an occupation army in Tibet of at least a quarter million strong. Military and police are often overwhelmingly present in Lhasa and elsewhere, though as of February 1992, security in Lhasa is dominated by undercover and plainclothes police. The military plays a greater role in the administration of Tibet than any Chinese province, and no Tibetan serves in the leadership of the military district governing Tibet.

Even though the Party still controls Tibet, its control is beginning to slip. There is a pervasive disillusionment with, and contempt for, the Communist Party and the government in Tibet which can even be found among Party members and government functionaries. Inefficiency and corruption have consumed some government operations to the extent that they barely function and are an enormous waste of government funds. During ICT’s one-month tour of eastern Tibet, it became apparent that the Party’s goals have been drastically reduced from its once grandiose plans of social, human and economic transformation to simply holding onto power, taking care of Chinese settlers and extracting Tibet’s natural resources.

The Party now seems to have little left to offer Tibetans other than the repression which keeps Tibetans from mass rebellion. Nobody in Tibet is talking about how the Party can reform itself, for it has become something that most Tibetans must just tolerate and avoid. Some Tibetans use the Party for their own personal and professional advancement and try to improve conditions for Tibetans from within the system. The late Panchen Lama succeeded in wresting enough power from the system to improve conditions in a number of areas. The Panchen Lama was the only Tibetan who the Chinese feared, unlike current Tibetan leaders such as Ngawang Ngapo Jigme, Mao Rubai and Raidi who have little power. Recent reports from Lhasa indicate increasing alienation and disaffection among middle and lower level Tibetan bureaucrats and acorresponding loss of trust in them by their Chinese superiors.